Über den Ursprung des modernen Yoga – Der Film „Der atmende Gott“

Jan Schmidt-Garres Reise zum Ursprung des modernen Yoga.

Im Film begleiten wir den Regisseur Jan Schmidt-Garre auf seinen Reisen nach Indien. Er sucht nach dem Ursprung der Asanas (Yogaposen). Finden wird er die Geschichten bekannter indischer Yogalehrer, die alle vom selben Lehrer berichten. Ihre Erinnerungen sowie die historischen Filmaufnahmen und Fotografien lassen eine Zeit sichtbar werden, die für viele von uns im Dunkel der Unwissenheit verborgen liegt. Es ist jene Zeit, in der das von Brahmanen über Jahrtausende gehütete Wissen vom Yoga der Menschheit zugänglich gemacht wurde. Der Film nähert sich in all seinen Bildern und Geschichten jenem Mann, auf den die Öffnung des in der Kaste der Brahmanen gehüteten Wissens zurückgeht: Sri Tirumalai Krishnamacharya (1888-1989). Er war der erste Gelehrte, der Schüler unabhängig von Kaste, Religion oder Geschlecht unterrichtete. Yoga sollte für jeden offen sein, der den Weg zum Göttlichen finden wollte. Wir begegnen diesem außergewöhnlichen Lehrer in einigen wenigen historischen Filmaufnahmen und in den Erinnerungen seiner Kinder und Schüler.

Wenn er als 50-Jähriger (1938) Asanas demonstriert, so lässt sich ahnen, welches Potential sich in einem disziplinierten Körper und Geist findet. Damals lebte Krishnamacharya in Mysore und leitete die vom Maharadscha 1934 für die Jungen der königlichen Kaste gegründete Yogaschule. Am Morgen unterrichtete er den Maharadscha und am Abend bis zu 100 Schüler. Der Yogaunterricht diente zur Stärkung der Seele. Er war kostenlos. Yoga war zu jener Zeit in der indischen Bevölkerung weitgehend unbekannt.

Krishnamacharya blieb sein Leben lang unabhängig. Er war allein dem Wissen verpflichtet, dass er von seinen Lehrern empfangen hatte und dass er wiederum an seine Schüler weitergab. Einblick in das Familienleben und den Unterricht mit seinen Kindern geben historische Filmaufnahmen, in denen Krichnamacharya zwei seiner kleinen Töchter unterrichtet. Vier im Film zu Wort kommende Kinder (von sechs) – Alamelu, Pundarikavalli, Sribhashyam und Srishuba –  beschreiben den Vater als einen Lehrer, der ihnen vermittelte, dass Bildung wahrer Reichtum ist. Bildung kann geteilt und weitergegeben, doch niemals weggenommen werden. Im Garten der Familie pflanzte Krishnamacharya sieben Kokosnussbäume. Jeder Baum stand für einen Planeten und wurde zum Bezugspunkt für die größere Ordnung im Universum. Der Morgen begann für die Kinder mit Yogaübungen. Im Film demonstriert die jüngste Tochter Srishuba ihre bis heute tägliche Praxis. Von den alten Schriften erzählte der Vater bei der Gartenarbeit. Die Wirkung der ayurvedischen Heilpflanzen erklärte er beim Einkauf auf dem Markt. Die Gelehrten unterrichtete er am Sanskrit College. Disziplin forderte er von jedem Schüler, da sie den Lernenden schützt.

Die Yogaschule schloss aus Geldmangel nach Indiens Unabhängigkeit im Jahre 1947. Eine neue Aufgabe fand Krishnamacharya in Madras (Chennai), wohin er 1954 auf Drängen eines Verlegers zog. Anfangs begleitete ihn nur sein damals sechzehnjähriger Sohn Sribhashyam. Krishnamacharya gab jetzt Einzelunterricht. Er war wegen seiner Heilkräfte gerufen worden. Für diese Aufgabe passte er die Übungen den Bedürfnissen seiner Schüler an. In Vorträgen an Schulen mit bis zu 300 Zuhörern begann er die heilsame Wirkung von Yoga bekannt zu machen. Häufig waren seine beiden Söhne Desikachar und Sribhashyam dabei, um die Asanas zu demonstrieren, während ihr Vater darüber sprach. In den indischen Schulen wurde Yoga ein Unterrichtsfach zur Stärkung der körperlichen und mentalen Gesundheit, sowie der Konzentrationskraft.

Wie regelmäßiges Üben den ‚modernen‘ Geist und seinen Körper verändern kann, wird im Film am Regisseurs selbst sichtbar. Jan Schmidt-Garre wird von Krishnamacharyas Schülern unterrichtet. Von Patthabi Jois lernt er Atem und Bewegung zu koordinieren. Das unterscheidet Yoga von jeder anderen rein körperlichen Bewegung. Iyengar lehrt ihn die korrekte Ausführung des Kopfstandes. Dabei wird deutlich, welche wichtige Rolle der Ausrichtung des Körpers beim längeren Verweilen in einem Asana zukommt. Diese Art Yogapraxis bereitet Körper und Geist vor, um die Konzentration der Übungsfolge halten zu können, die ihn Sribhashyam lehrt. Die Früchte der Yogapraxis bestimmt die jeweils gehaltene Konzentration.

Yoga kommt aus einem Land, in dem das Göttliche für die Menschen immer präsent ist. Krishnamacharya eröffnete jede Praxis mit einem Gebet. Die Asanas lehrte er gemeinsam mit dem Text, in dem sie erwähnt wurden. So überrascht eigentlich kaum, dass die Dreharbeiten an dem Tag beginnen, an dem in Indien die Lehrer geehrt werden – Guru purnam. Und nach fünf Jahren vor einem kleinen Tempel in Chenai enden, der dem Gott Narasimha geweiht ist. Jenem atmenden Gott, der Yoga in die Welt gebracht haben soll.

 

Link zum Film-Trailer http://www.deratmendegott.de

One Comment

  1. Antworten
    marion 2013/03/02

    Schöner Artikel ! :-)Ich finde, Yoga sollte auch bei uns Unterrichtsfach werden !

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